Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS)

Geschichte entdecken

Personen bei der Ansicht von Quellen
Das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) ist ein fester Bestandteil der Wolfsburger Kultur- und Bildungslandschaft. Es überzeugt immer wieder mit innovativen Archivprogrammen und -konzepten, die auch überregional Zuspruch finden. Kreative Formen von Kultur- und Geschichtsvermittlung werden entwickelt und angeboten, ohne dass dabei der Kernbereich der Archivarbeit vernachlässigt wird.

Das Institut erfasst, sichert, erschließt, bewertet und beurteilt Archivgut. Darüber hinaus sind die Vermittlung, aber auch die Forschung und Dokumentation weitere Arbeitsschwerpunkte. Die Bestände des Stadtarchivs dienen dabei als vielschichtige Basis. Das IZS dokumentiert seine Arbeit regelmäßig auf Veranstaltungen, in Workshops, aber auch in lokalhistorischen Publikationen wie der "Wolfsburg Saga", in der die Stadtgeschichte objektiv und detailreich nachgezeichnet und interpretiert ist.

Das IZS ist nicht nur Kompetenzzentrum der Stadt Wolfsburg im Hinblick auf die Erforschung, Vermittlung und Präsentation der städtischen Geschichte, sondern versteht sich gleichzeitig auch als ein Ort des kulturellen Gedächtnisses.


Institutsleitung: 
Anita Placenti-Grau 

Telefon:  05361 275734

E-Mail: anita.placenti-grau@stadt.wolfsburg.de

Archiv:
Steffi Crain

Telefon: 05361 275732

E-Mail: steffi.crain@stadt.wolfsburg.de

Geschichtswerkstatt/Archivpädagogik:
Aleksandar Nedelkovski

Telefon: 05361 275736

E-Mail: aleksandar.nedelkovski@stadt.wolfsburg.de

Forschung:
Dr. Alexander Kraus

Telefon: 05361 275741

E-Mail: alexander.kraus@stadt.wolfsburg.de

Bildarchiv:
Katja Steiner

Telefon: 05361 275737

E-Mail: katja.steiner@stadt.wolfsburg.de

Das "Gedächtnis der Stadt"

Ein geöffneter Magazinschrank mit DokumentenDas Stadtarchiv wurde 1976 institutionell gegründet und zu einem funktionsfähigen und modernem Kommunalarchiv ausgebaut. Angesichts der noch jungen Stadtgeschichte liegt der Überlieferungsschwerpunkt der Archivalien beim Schriftgut der Stadtverwaltung nach 1945. Hinzu kommen die historischen Bestände der 20 Ortsteile, die seit der Eingemeindung 1972 zu Wolfsburg gehören. Lesen Sie hier nähere Informationen zum Stadtarchiv

Fotografische Stadtsoziologie

Es scheint, als seien Robert Lebeck und Wolfsburg im Jahr 1968 eine spezielle Verbindung eingegangen; jedenfalls führten den Stern-Fotojournalisten im epochemachenden Jahr gleich drei Aufträge in die Stadt am Mittellandkanal. Zunächst, im April, reiste Lebeck anlässlich der Beerdigung des VW-Generaldirektors Heinrich Nordhoff an den Stammsitz des Werks. Hier lichtete er die führenden Köpfe aus Wirtschaft und Politik beim Leichenschmaus ab, ohne dass es auch nur eine Fotografie in den Stern geschafft hätte, da dieser am Ende gar nicht berichtete. Ende Juni, am 21. und 22. des Monats, verbrachte er dann gemeinsam mit dem Reporter Georg Würtz im Zuge des 30-jährigen Stadtgeburtstages zwei Tage in der Volkswagenstadt, aus denen die kritische Reportage Wehe, wenn der Käfer stirbt entstehen sollte (Stern, H. 27, vom 7. Juli 1968, S. 16–21). Im Juli schließlich führte ihn ein für ihn eher untypischer Auftrag nach Wolfsburg – möglicherweise als Ersatz für einen Kollegen, der sonst das Metier des Autotestberichts fotografisch bediente. Lebeck, der in den späten 1950er Jahren selbst „[i]mmer im VW-Käfer unterwegs“ war, fotografierte eine Strecke über den neuen VW 411 und platzierte kurzerhand ein Modell im Sommerkleid im Kofferraum und auf den Liegesitzen …
Seine Reportage zum Stadtjubiläum nutzte Würtz zu einer einzigen Unmutsäußerung. Schon der Teaser im Inhaltsverzeichnis, der mit drei Fotografien Lebecks und etwas aus dem Kontext gerissenen bitterbösen Zitaten aus einer stadtsoziologischen Studie der Universität Göttingen in den Bildunterschriften aufwartete, gab das Grundmotiv vor: „Sie lieben sie nicht, aber sie sind zufrieden mit ihrer Stadt, die Wolfsburger“, die sodann als wahre Stubenhocker ohne soziales Netz aus Freunden und Verwandten porträtiert werden: „Unglückliche, vereinsamte Menschen, in ihrer sauberen Stadt aus der Retorte?“ Die eigentliche Reportage brachte dann zunächst weniger Gegenwartsanalyse denn eine ausführliche Einführung in die NS-Gründungsgeschichte der Stadt, um am Ende dann doch noch im Stakkato durch die vermeintliche Trübsal des Wolfsburger Alltags zu führen.

Robert Lebeck dagegen schien – wie die zahlreichen Kontaktbogen der Reportage belegen – ganz in seinem Element und ließ sich durch die Stadt treiben. Dabei platzte er in der Arche, dem ehemaligen Gemeindezentrum der Martin-Luther-Gemeinde, in eine Trauung, die wie zur Bestätigung der Göttinger Soziologen offenbar weitestgehend auf eine Hochzeitsgesellschaft verzichtete. Im Werk legte er, anders als die Fotografen Peter Keetman oder Heinrich Heidersberger, die den Produktionsprozess des VW-Käfers nüchtern mit Blick auf die Details im Stile der neuen Sachlichkeit fotografierten, weniger Wert auf die Inszenierung der überwältigenden Serienproduktion denn auf diejenigen, die die Produktionsarbeit leisteten: die Arbeiterinnen und Arbeiter. Industriefotografie bekam bei ihm eine menschliche Note, da er Konzentration wie Unbeschwertheit der Arbeitenden gleichermaßen einfing. Ob moderne Kirchenarchitektur wie die Stephanuskirche des finnischen Architekten Alvar Aalto, die Eröffnung der Kunstausstellung „Ornamentale Tendenzen in der zeitgenössischen Malerei“ im Kunstverein Wolfsburg im hiesigen Schloss, die Menschen auf der Porschestraße und auf dem Wochenmarkt vor dem Alvar-Aalto-Kulturhaus (damals „Kulturzentrum“), das bunte Treiben im VW-Bad oder auf dem Rummel des Schützenfestes: Kaum ein Thema, dass sich nicht auf den Kontaktbogen Lebecks findet. Im neu entstehenden Stadtteil Detmerode mit seinen markanten Gebäuden wie dem Stufenhochhaus des Berliner Architekten Paul Baumgarten scheint er ebenso fasziniert wie schockiert von der Wucht der geometrischen Formen, die nur selten von den Rundungen eines VW-Käfers oder den Konturen eines Passanten durchbrochen werden.
Mit seinem Gespür für Stimmungen gelang es Lebeck dann auch in Wolfsburg einen echten 68er Moment abzulichten: Die politisch engagierte Jugend wollte und konnte sich so gar nicht mit einer unmittelbar vor der Eröffnung des städtischen Jubiläumsfestes angesetzten Vereidigung von Bundeswehrrekruten des Panzergrenadier-Bataillons 321 Wesendorf im VfL-Stadion am Elsterweg anfreunden und brachte ihren Unmut durch entsprechend aussagekräftige Banner zum Ausdruck. Wer Würtz’ Reportage im Stern über die vermeintlich so langweilige und biedere Stadt im Zonenrandgebiet gelesen hat, wundert sich nicht über das Fehlen solcher Motive in der begleitenden Bildauswahl.

In diesem Memory haben wir Lebecks fotografischer Stadtsoziologie Motive des Wolfsburger Fotografen Joachim „Ali“ Altschaffel gegenüber gestellt, die dieser fünfzig Jahre später extra für diesen Anlass fotografiert hat. Auf den Spuren der Motive Lebecks, diese allerdings neu interpretierend, lassen sich anhand seiner Fotografien die Veränderungen in Stadt, Stadtgesellschaft und Werk gleichermaßen studieren. Die einst so prägende städtebauliche „Koller-Achse“ ist längst passé, das Stufenhochhaus wird schon bald Geschichte sein, im Volkswagenwerk sorgen inzwischen Roboter für präzise Schweißarbeiten. Die Kunst aber ist aus Wolfsburg nicht wegzudenken, die Erinnerungskultur hat ihren festen Platz in der Stadtgesellschaft gefunden, das VW-Bad ist eine Sommerattraktion wie eh und je – und Frischvermählte lassen sich auch heute noch von wildfremden Fotografen für eine Reportage ablichten. Das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation der Stadt Wolfsburg bedankt sich bei allen Beteiligten, Fotografierten und all jenen, die das Fotografieren möglich gemacht haben, das längst nicht mehr so unkompliziert funktioniert wie zu Robert Lebecks Zeiten.

Alexander Kraus

Fotografische Stadtsoziologie (*PDF - öffnet sich in einem neuen Fenster)

Hinweis: Um die jeweiligen Motive 1968 und 2018 auf einen Blick zu sehen, schalten Sie im Adobe Reader in die "Zweiseitenansicht". Dazu klicken Sie auf "Ansicht", "Seitenanzeige", und dann auf "Zweiseitenansicht"


Mehrere Personen an einem Tisch mit Holzscheiben im Workshop FrottagenDie Geschichtswerkstatt wurde 1999 durch einen Ratsbeschluss der Stadt eingerichtet und dem Stadtarchiv angegliedert, um die Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte, insbesondere mit der nationalsozialistischen Gründerzeit, zu versachlichen und zu vermitteln. Die Aufgabenstellung der Geschichtswerkstatt wird seitdem in Form einer archivnahen Geschichtsdidaktik wahrgenommen. Lesen Sie hier nähere Informationen zur Geschichtswerkstatt

Frottagen in der Ausstellung

Zur historischen Bildungsarbeit des IZS gehört auch die "Dokumentation über die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft", die auf der Forschungs- und Dokumentationsarbeit des ehemaligen Leiters des Stadtarchivs, Dr. Klaus-Jörg Siegfried, basiert. Lesen Sie hier nähere Informationen zur Dokumentation

Titelseite des Bildbandes Wolfsburg - Die StadtMit dem Aufgabenschwerpunkt Stadtpräsentation zeigt sich das IZS seit Januar 2009 als kompetente Kultureinrichtung für besondere Aufgaben. Publikationen wie die "Wolfsburg-Saga" oder der Bildband "Wolfsburg: Die Stadt" dokumentieren das Gestern und Heute des städtischen Lebens.

Auch der Aufbau eines digitalen Bildarchivs – in Kooperation mit Fotografinnen und Fotografen – dient der Transparenz des historischen, aber auch aktuellen Stadtgeschehens. Die digitale Speicherung von inhaltlich erschlossenen Fotobeständen wird auf Dauer zu einer zentralen Bilddatenbank führen, die die Chance zur Vernetzung des IZS mit anderen städtischen Institutionen, aber auch mit regionalen und überregionalen Medien bietet. Die Bilddatenbank eröffnet in einer späteren Ausbaustufe zudem die Möglichkeit, ausgewählte Fotos über das Internet einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Übersichtskarte mit Stationen des AudiowalksDer „Audiowalk Wolfsburg – eine Migrationsgeschichte“ gibt einen Überblick über verschiedene Migrationsbewegungen, deren Gründe und zeigt, dass Zuwanderung ein wesentlicher Faktor Wolfsburger Stadtgeschichte ist: Der Hörspaziergang stellt Menschen vor, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit leisten mussten, und erläutert die historischen Hintergründe.

Und hier geht es zum Audiowalk

Skulptur Hermes von Giancarlo Lepore, 1995, in der Nähe des TheaterFoto: Skulptur Hermes von Giancarlo Lepore, 1995, in der Nähe des Theater

Der Aufgabenbereich "Kunst im Stadtbild" geht zurück auf einen im Jahr 1959 einstimmig gefassten Ratsbeschluss "für die künstlerische Gestaltung neu zu errichtender städtischer Gebäude". Für diese sind Mittel der Baukosten für Kunst zu verwenden. 

Lesen Sie hier nähere Informationen zur Kunst im Stadtbild

Titelseite der Zeitung: Das Archiv Ausgabe 2Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) in seiner jetzigen Form erscheint seit Anfang Mai 2016 „Das Archiv. Zeitung für Wolfsburger Stadtgeschichte“. In der neuen Publikationsreihe werden laufende Projekte und Forschungserkenntnisse aber auch Akquisen und Materialien aus dem Stadtarchiv vorgestellt. Darüber hinaus werden immer wieder auch Institutionen, mit denen das IZS zusammenarbeitet, mit Gastbeiträgen vertreten sein. Mit der Archivzeitung beschreitet das IZS einen neuen Weg der Geschichtsvermittlung.


Hier finden Sie die aktuelle und alle weiteren Ausgaben von DAS ARCHIV

Geburtsurkunde der Stadt Wolfsburg im Amtsblatt Lüneburg

In dieser Rubrik werden in kurzen Geschichten besondere Entdeckungen bei der Recherche und Erschließung von Archivalien präsentiert. Im Abstand von vier Wochen wird jeweils ein Stück des Archivs mit einer Abbildung und einem kurzen erläuternden Text näher vorgestellt.

Lesen Sie hier nähere Informationen zu den Archivalien
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