Neuigkeiten

Rund um das Thema Kunst in Wolfsburg

Pressemitteilung vom 25.10.2020

Birgit Brenner "Promise Me"

Kunstpreis der Stadt Wolfsburg "Junge Stadt sieht Junge Kunst" 2020 - Verleihung und Ausstellungseröffnung auf Schloss Wolfsburg

Birgit Brenner (*1964 in Ulm) ist die diesjährige Preisträgerin des renommierten Wolfsburger Kunstpreises Junge Stadt sieht Junge Kunst.

Die in Berlin und Stuttgart lebende Künstlerin beschäftigt sich in ihren Installationen, Videos und Zeichnungen mit gesellschaftlichen und privaten Zuständen und der Eintönigkeit des Alltags. Ihre gesellschaftskritischen Arbeiten kreisen um die Themen Ungerechtigkeit, Zwang, Scheitern, Glücksversprechen, Überwachung, Gewalt und Angst. Diese Universalthemen verdichtet sie in einfachen Bildern, um eine große Welt zu fassen zu bekommen. In der Begründung der Jury heißt es: »Birgit Brenner hat eine ganz eigene Bildsprache entwickelt, die sich nicht auf ein Medium beschränkt. In der Gegenüberstellung von analogen und digitalen Sehmustern, von Perfektion und Do-it-yourself, von realem Leben und künstlicher Konstruktion formuliert die Künstlerin Kommentare und Fragen zu aktuell virulenten Themen« Oberbürgermeister Klaus Mohrs: "Der Wolfsburger Kunstpreis "Junge Stadt sieht Junge Kunst" ist ein wichtiger Botschafter unserer Stadt. National wie international gab er immer wieder wichtige Impulse. Wir können stolz sein auf das beachtliche Profil dieser Auszeichnung. 1958, anlässlich des 20. Stadtgeburtstages, ins Leben gerufen, gehört er heute nicht nur zu den ältesten Kunsttraditionen Wolfsburgs, sondern ist einer der angesehensten Preise der Bundesrepublik Deutschland."

Erster Stadtrat Weilmann: "Die Verleihung des Kunstpreises "Junge Stadt sieht Junge Kunst" ist seit vielen Jahrzehnten ein Fixpunkt im kulturellen Leben unserer Stadt. Sie ist gleichzeitig ein kulturpolitisches Statement. Mit dem Wolfsburger Kunstpreis wird nicht ein abgeschlossenes Lebenswerk geehrt, vielmehr wollen wir mit der Vergabe einen zusätzlichen Antrieb geben und neue Projekte fördern. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie nachhaltig der Kunstpreis als Katalysator für die Weiterentwicklung der jeweiligen künstlerischen Karriere wirkt."

In der Ausstellung "Promise Me" im Schloss Wolfsburg zeigt Birgit Brenner unter anderem drei neue Arbeiten, die während ihres Stipendienaufenthaltes in der Villa Massimo in Rom (September 2019 – Juni 2020) entstanden sind. Die in Italien konzipierten Arbeiten erhalten vor dem Hintergrund der Covid19-Pandemie eine besondere Relevanz – auch wenn die Themen nicht als direkte Reaktion darauf entwickelt wurden, sondern schon vorher gedanklich virulent waren. Im ersten Raum präsentiert sie zwei neue Kurzfilme. Bei ihren Recherchen ist sie darauf gestoßen, dass die sogenannte Weltuntergangsuhr dieses Jahr erstmals historisch von fünf Minuten vor zwölf auf hundert Sekunden vor zwölf vorgestellt wurde. "Damit eröffnete sich mir eine Möglichkeit, Umweltbedrohung oder Atomkriegsgefahr so umsetzen, dass es nicht plakativ wirkt. Die Uhr wird zur Metapher, in der sich der ganze Themenkomplex verdichtet, sie ist ein starkes Bild dafür, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, wenn wir das Ruder noch rumreißen wollen. Daraus habe ich die Idee zu dem Kurzfilm Hundred Seconds to Midnight entwickelt, mit all diesen Figuren, die allein und selbstvergessen wie in Trance vor sich hin tanzen." Die Illusion von Bewegung wird durch das Aneinanderreihen von gezeichneten Bildern erzeugt.

In der zweiten filmischen Arbeit, Shifting Baseline, dominieren rasante Bewegungen und intensive Töne, die an Alarmsysteme – auch aus dem medizinischen Bereich – erinnern. Die Themen sind ebenfalls Weltuntergang, Zerstörung, Auflösung und das Ignorieren und Davonlaufen vor Gefahr. Der Film beginnt mit einem strauchelnden, um sich selbst drehenden Flugzeug, das senkrecht zur Erde zu stürzen scheint – das Sinnbild des stürzenden Engels wird hervorgerufen. Der stakkato-artige Rhythmus von Bild und Ton und der starken Kreisbewegung mit stroboskopartigen Bildwechseln erzeugt eine sinnliche Spannung und Überlastung. Die Bildcollage setzt sich zusammen aus gesichtslosen Menschen und aus Spiralen, Wundmalen, Blut, Beinen, zwei statischen, roten Linien der Verwundung, die wie Hemmnisse, Barrieren wirken.

Im nächsten Raum ist die apokalyptische, übergroße Installation When Worlds collide. Sie wirkt wie in den Raum hineingepresst, sprengt sie diesen doch formal und visuell. Gearbeitet in gelasertem oder gebogenem Stahl und partiell mit Kunststoff ausgefüllt, collagiert die Künstlerin hier verschiedene Bildwelten wie einen Filmstill, der eingefroren im Raum zu stehen scheint. Viele Elemente aus den beiden vorherigen Filmen tauchen hier wieder auf. Nur dass man jetzt physisch hineingezogen wird, quasi mittendrin steht. Im letzten Raum zeigt Birgit Brenner den 2019 entstandenen Film Sommer, Sonne, Sicherheit.  Er visualisiert kein lautes Inferno, sondern ein stilles Psychodrama in drei Akten – mit Hinweisen auf Wachstum und Weltbevölkerung.

Die Arbeiten von Birgit Brenner sind voller Spannung, so dass sie uns unmittelbar und intensiv erreichen. Dem fügt sie noch Textcollagen hinzu, die von uns selbst, aus unserem Alltag stammen könnten. Es geht ja auch um uns. Birgit Brenner führt uns die immer stärker ins Bewusstsein kommende Gefahr für die Menschen und die Umwelt vor Augen. "Wir machen einfach immer weiter und tun so, als würde um uns herum nichts passieren." Mit dieser Ausstellung erzeugt Birgit Brenner einen maximalen Zustand der Unruhe. Dabei stellt sie weder Fragen noch beantwortet sie welche. "Ich werfe lediglich Bilder in die Welt und sage, so könnte man die Dinge sehen."

Der Kunstpreis "Junge Stadt sieht Junge Kunst" ist mit einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Wolfsburg (Laufzeit vom 24. Oktober 2020 bis 25. April 2021) sowie einer Publikation verbunden. Zusätzlich gibt es einen Ankauf für die Städtische Kunstsammlung. Der Preis wurde 1959 erstmals verliehen und versteht sich als eine fördernde Initiative für Künstler*innen, die sich in der Mitte ihrer Laufbahn befinden. Idealerweise kann er als Katalysator für Rückschau und Weiterentwicklung wirken.


Pressemitteilung vom 09.06.2020

Michael Müller - DEINE KUNST

Neupräsentation der Sammlung der Städtischen Galerie in mehreren Fassungen

Die Städtische Galerie Wolfsburg hat den in Berlin lebenden Künstler Michael Müller eingeladen, eine experimentelle Neupräsentation der Sammlung zu kuratieren. Der Künstler zeigt einen Ausstellungszyklus, der sich über den Zeitraum von zwei Jahren erstreckt und die Sammlung in mehreren aufeinanderfolgenden Fassungen vorstellt.

In seinem Wolfsburg Projekt "DEINE KUNST" beschäftigt sich Michael Müller intensiv mit der Sammlung und der Ausstellungssituation der Städtischen Galerie Wolfsburg und rückt in diesem Zusammenhang Original und Kopie in den Fokus: das Mit-, Neben- und Gegeneinander von Individuellem und Übernommenem, Originalität und Traditionsbezug, Stil und Zitat, Hommage und Plagiat. Er ordnet, sortiert und stellt ganz neue überraschende Bezüge her. Auch Leerstellen und Krisensituationen spielen dabei eine Rolle und laden zur Diskussion ein.

Die vierte Fassung der Ausstellungsreihe "DEINE KUNST" trägt den Titel "Informel, das / Stil, der - Das Schweigen der Bilder als stupide Zumutung oder Die Sprachlosigkeit". Der erste Teil des Titels "Informel, das / Stil, der" verweist auf eine formale Referenz: Die kunsthistorische Einordung von Stilen und Kunstrichtungen mittels Definitionen im Lexikon. Die informelle Kunst stellt eine wichtige Richtung in der bildenden Kunst nach 1945 dar und bildet einen Schwerpunkt im Sammlungsbestand der Städtischen Galerie Wolfsburg. Die Neupräsentation wird bis 9. August gezeigt.

Der Faschismus hatte progressive künstlerische Tendenzen in Europa zum Stillstand gebracht. Verfolgung, Verfemung, Vertreibung oder gar Ermordung von Künstler*innen erforderte eine radikale Neuorientierung. In der Abwendung von Form, Darstellung und Theorie standen nun Material, Zeichen und Geste im Mittelpunkt. Das gestische Malen und Zeichnen als Akt des Aufbruchs sowie der individuellen und künstlerischen Befreiung entwickelte sich zeitgleich in Europa und Amerika. Und so gibt es viele Überschneidungen innerhalb der Bewegung mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten für diese Stilrichtung, die ständig erweitert wurde: "Tachismus", "Abstrakter Expressionismus", "Action Painting", "Informel" oder einfach nur "Un art autre".

Bedeutende Vertreter und Wegbereiter dieser Kunstrichtung sind Künstler wie Peter Brüning, Karl Fred Dahmen, Karl Otto Götz, Fred Thieler, Hann Trier, Emil Schumacher und Bernard Schultze, die mit Grafiken und Gemälden in der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg vertreten sind.

In diesem Kontext hat Michael Müller mit einzelnen Vertretern des Informel Künstlerräume geschaffen. Doch auch dieses Mal ist die Präsentation nicht störungsfrei. Darauf weist der zweite Teil des Titels hin. Nachdem in der dritten Fassung "DEINE KUNST" die Themen Signatur, Original und Zitat im Mittelpunkt standen, fehlen nun in der daran anschließenden Fassung jegliche Hinweise und Verweise auf die Künstler: "Das Schweigen der Bilder als stupide Zumutung oder Die Sprachlosigkeit". Der Künstlerkurator Michael Müller lässt die Kunstwerke für sich sprechen und entzieht sie der didaktischen Beschreibung sowie der kunsthistorischen Zuordnung, eine stupide Zumutung!

In der Ausstellung sind Werke zu sehen von: Peter Brüning, Carl Buchheister, Emil Cimiotti, Karl Fred Dahmen, Jean Dubuffet, Karl Otto Goetz, Hans Hartung, Gerhard Hoehme, Henri Michaux, Emil Schumacher, K.R.H. Sonderborg, Pierre Soulage, Fred Thieler, Mark Tobey, Hann Trier, Fritz Winter, Wols aber auch von Michael Müller und Gerhard Richter.

Michael Müller hat die Werke der Sammlung noch durch Leihgaben aus der Sammlung Bergmeier sowie der Galerie Nothelfer Berlin ergänzt.


Pressemitteilung vom 14.05.2020

Städtische Galerie präsentiert besonderes Leitsystem im Schloss Wolfsburg 

Drei Künstler entwickeln „Wegeführungskontaktvermeidungsstrategie“, um Abstandsregeln einzuhalten

Für einen reibungslosen Besuch hat die Städtischen Galerie Wolfsburg im Rahmen des Gesundheitsschutzes für Gäste und Mitarbeitende ein besonderes Leitsystemsystem entwickelt. Die Künstler Till Terschüren; Dominik Kuschmieder und Torben Laib haben sich mit der komplexen Wegeführung im Schloss Wolfsburg auseinandergesetzt und das Soundsystem "Wegeführungskontaktvermeidungsstrategie" konzipiert.
 
Es ist ein modulares Wegfindungssystem das – ausgelöst durch einen Bewegungsmelder – die Besucher und Besucherinnen akustisch und visuell durch die Wegeführung leitet. Mit Betreten der Wegstrecke wird über Soundsäulen eine Klangkette ausgelöst, die von Säule zu Säule läuft. Dazu kommen im Abstand von zwei Metern schwarze und weiße Rohre ohne Sound, die lediglich den Abstand markieren. Das Material der Rohre bildet einen starken Kontrast zur Ästhetik von Schloss Wolfsburg und die glänzend lackierten Soundsäulen heben sich von der Architektur ab. Trotz der reduzierten Farbigkeit sind die Säulen, die sich am Design der Industrieproduktion orientieren, sehr auffällig.
 
Die Installation führt und leitet, bringt aber auch die Besucher dazu, genau hinzuhören und hinzuschauen. Durch die akustische wie auch visuelle Führung gleichermaßen funktioniert das Leitsystem unabhängig voneinander auch nur über einzelne Sinne.
 
Dennis Weilmann, Dezernent für Kultur und Digitales der Stadt Wolfsburg, zur Installation "Wegeführungskontaktvermeidungsstrategie": "Dieses ungewöhnliche und komplexe Wegeleitsystem beindruckt mich auch deshalb, weil es das Hinhören und Hinschauen verbindet und gleichzeitig in Unabhängigkeit der beiden Sinne funktioniert. Ich freue mich, dass hier junge Künstler von der Hochschule in Braunschweig auftreten. Sie studieren und arbeiten bei einigen Professoren, die in der Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg vertreten sind. Durch Kreativität und künstlerische Intervention erschließt sich in dieser kollektiven Arbeit eine Verbindung mit der Region und über Generationen hinweg."


Pressemitteilung vom 02.03.2020

Der Frühling ist da

Kunsthandwerker stellen im Schloss Fallersleben aus

Gemäß Hoffmanns Lied "Der Frühling ist da!" begrüßen das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum und die Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft am Samstag, 7. März, von 12 bis 18 Uhr und Sonntag, 8. März, 11 bis 18 Uhr, den Lenz mit ihrem traditionellen "Frühlingsbasar" im Schloss Fallersleben. Der Eintritt ist frei.

Kreatives Kunsthandwerk aus Wolfsburg und der Region ist im Gewölbekeller zu bewundern und zu erwerben. Die große Vielfalt reicht von Puppenkleidern und anderen Näharbeiten über Keramik, Frühlingskränze und Gartenstehlen bis zu individuellen Drechselarbeiten und Taschen sowie verschiedenen Marmeladen und Likören. Und wem der Frühlingsanfang noch weit entfernt scheint, schaut sich bei den ausgestellten Mützen und Schals um. Vom baldigen Osterfest künden die im März blühenden Narzissen vor dem Schloss Fallersleben und im Gewölbekeller Scherenschnitt-Ostereier sowie allerlei Deko.

Besucht werden kann auch die Dauerausstellung des Hoffmann-Museums im M2K, wo der Frühling ganzjährig mit dem fröhlichen Zwitschern von Amsel, Drossel, Fink und Star aus Hoffmanns bekanntem Kinderlied "Alle Vögel sind schon da" Einzug hält.

Auf dem ersten Frühlingsbasar im Schloss Fallersleben Mitte der 1990er-Jahre wurden Bücher verkauft, weil Literatur nun einmal zu Hoffmann von Fallersleben passt. Das Museum und die Hoffmann-Gesellschaft wollten auf diese unkonventionelle Weise mit den Wolfsburgerinnen und Wolfsburgern ins Gespräch kommen über "ihren" Hoffmann. Im Laufe der vergangenen gut 20 Jahre veränderte sich die Nachfrage und so sind heute die Aussteller genauso "bunt" wie der Frühling. Und wer sich vom vielen Schauen und Stöbern eine süße Auszeit gönnen mag, kann auch dies – bei Kuchen in einer gemütlichen Kaffeestube.


Pressemitteilung vom 11.02.2020

Wo bin ich?

Reanalogisierungsexperiment im Kunstprojekt WERK-STADT-SCHLOSS 2020

Wo leben wir eigentlich heutzutage vermehrt? Offline oder online? Und was hat das für Konsequenzen? Diesen Grundfragen werden die 40 TeilnehmerInnen im 28. WERK-STADT-SCHLOSS Projekt vom 09.03. bis 20.03. nachgehen.

An traditionellem Ort, den Bürgerwerkstätten im Schloss Wolfsburg, werden sich die SchülerInnen und Auszubildenen der Neuland Wohnungsbaugesellschaft mbH, von Schnellecke Logistics, von der Volkswagen Akademie, vom RegionalVerbund für Ausbildung, der Oskar-Kämmer-Schule, der Stadt Wolfsburg und der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg mit einem ungewöhnlichen künstlerischen Mittel auseinandersetzten: dem „Handeln“.

Angeleitet durch die Hannoveraner Performancekünstlerin Ilka Theurich erkunden sie ihr eigenes Erleben im Internet. Was ist das eigentlich für ein Ort an dem wir uns mittlerweile so häufig aufhalten? Parallelen kann man zum Universum herstellen. Das Internet ist ebenso unendlich, nur schwer zu durchschauen, es ist eine bewegliche Struktur, jeder reist darin, orientiert sich an ganz unterschiedlichen „Fixsternen“ und treibt dabei durch Zeit- und Denkräume. Wer heutzutage seine Bildschirmzeit prüft, ist nicht selten überrascht, dass es mal wieder viele Stunden geworden sind. Abhilfe schafft WERK-STADT-SCHLOSS durch das Zurückholen der Interneterlebnisse in eine körperliche Erfahrung – Reanalogisieren. Dabei darf es gerne humoristisch zugehen.

Durch die langjährige Unterstützung der Neuland Wohnungsgesellschaft mbH, von Schnellecke Logistics und der IG Metall kann WERK-STADT-SCHLOSS immer wieder ermöglicht und zeitgemäß umgesetzt werden. Den Teilnehmenden wird eine einwöchige, intensive Erfahrung geboten, die alle weit über das Projekt hinaus begleiten wird.