Neuigkeiten aus dem Bereich Kultur

Rund um das Thema Kultur in Wolfsburg

Pressemitteilung vom 24.04.2018

Internationale Sommerbühne 2018

Von indigener Amazonas-Kultur bis zu Neo-Pop aus Japan

Titelblatt des Programms der Sommerbühne 201880 Jahre Wolfsburg – Die Internationale Sommerbühne sagt Happy Birthday und lädt vom 8.-17. Juni zu einer prickelnden Geburtstagsparty im Schloss Wolfsburg. Den Geburtstagstisch hat das Kulturwerk bestückt mit ausgesuchten künstlerischen Sahnestückchen, vom Urwaldensemble aus Bolivien bis zur Neo-Pop-Ikone aus Japan. Ob stimmungsvoll, poetisch oder powerful, mitreißend, ob exzentrisch, unbeschwert oder gefühlvoll – das 28. Open-Air-Festival bietet wieder ein breitgefächertes Sommerprogramm im wunderbaren Schlossambiente.
Die drei Zucchini-Sistaz starten am Freitag, 8. Juni mit viel Humor und ihrer Interpretation von Swing-Klassikern. Der Swing war im Deutschland der 30er und 40er Jahre verpönt. – Ein Grund mehr, das positive Lebensgefühl und die Freiheit, die die Musikrichtung ausdrückt, zu feiern. Danach darf gerne noch getanzt und weitergefeiert werden.
Das serbische Wort Čarlama steht für wild abtanzen und Party machen. Die vier Saxophon-Spieler und ein funkiger Drummer sind nicht nur authentisch in der Volksmusik verwurzelt, sondern auch mit allen Wassern gewaschene Jazzer und bringen am Samstag, 9. Juni den Schlosshof zum Kochen.
Beim Familienprogramm zur Sonntagsmatinee am 10. Juni kommt das Ensemble Moxos aus dem bolivianischen Dorf San Ignacio. Es verbindet die Klänge und alten indigenen Bräuche des Regenwaldes (z.B. selbstgebaute Instrumente aus Palmblättern) mit Interpretationen klassischer Barockmusik aus der jesuitischen Musiktradition des Dorfes. Die 18 Musiker, Sänger und Tänzer (14-27 Jahre alt) finanzieren mit ihrer Europatournee die Musikschule ihres Ortes.
Auch bei der Soiree am Sonntagabend werden in diesem Jahr klassische Klänge den Schlossinnenhof erfüllen: In Kooperation mit der Musikschule der Stadt Wolfsburg wird im Rahmen des Lehrerkonzerts der junge und erfolgreiche Pianist Hung Do die Zuhörer mit Werken von Beethoven, Chopin und Ravel begeistern.
Innovative Klänge - dafür sorgt am zweiten Sommerbühnenwochenende die japanisch-französische Künstlerin Maïa Barouh mit ihrer Band. Eine einzigartige Mischung aus zeitgenössischen ElektroBeats, uralter südjapanischer Gesangstradition, Querflötenspiel und musikalischen Einflüssen aus der ganzen Welt machen dieses Konzert am Samstag, 15. Juni unvergesslich.
Ein Doppelprogramm mit visueller Comedy der Extraklasse bietet der letzte Sommerbühnenabend am Samstag, 16. Juni. Die Chapertons aus Spanien starten mit Comedy und Clownerie voller Knalleffekte, Einfallsreichtum und Slapstick. Für ihre Show brauchen sie lediglich ein paar Autoschläuche, und schon wird in Sekunden eine Suppenschüssel zu einer Toilettenbrille, ein Fahrradhelm zum Heiligenschein und rasante Motorradfahrer verwandeln sich in ein klassisches Streichertrio.
Revue? Origami? Travestie? Playback-Show? Ennio Marchetto passt in keine Schublade. Bis heute hat der italienische Künstler mehr als 350 Prominente mit seinen raffinierten und überraschenden Kostümen aus Pappe und Papier auf die Bühne gezaubert. Eine rasante mitreißende und irre komische Show im zweiten Teil des Comedy-Abends Natürlich darf auch in diesem Jahr das Kinderprogramm Kita singt nicht fehlen. Wolfsburgs musikalischer Nachwuchs stürmt am Sonntag, den 17. Juni die Bühne. Rund 500 Kita-Kinder unter Leitung der Musikschule gestalten das fröhliche und lebendige Abschlusskonzert der 28. Sommerbühne.

„Die Gäste können sich auf ein Sommerbühnenprogramm der Extraklasse einstellen. Es wird für jeden Geschmack etwas geboten.“ so Kulturdezernent Dennis Weilmann. „Ein besonderes Highlight sind für mich unter anderem die Chapertons aus Spanien.“

Unterstützt wird das aktuelle Festival, wie schon seit Jahren, von den Hauptsponsoren • Volkswagen AG, Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Schnellecke Logistics, Freundeskreis der Internationalen Sommerbühne e.V., Medienpartner BZV/WN Hinzu kommen weitere Kooperationspartner und Förderer • Förderer: Joelle Moden, Neuland Wohnungsgesellschaft, Ehme de Riese, Keller Tersch, Autohaus Koller, Tischlerei Testa, Vorsfelder Hof, MS Florist Salge, Jaques‘ Weindepot, Firma Beli, Cadera, Air Europa • Kooperationspartner: Italienische Konsularagentur Wolfsburg, Musikschule der Stadt Wolfsburg

Kartenvorverkauf in allen VVK-Stellen, die an CTS-Eventim angeschlossen sind. Tickethotline: (05361) 15200, www.konzertkasse.de

Programminfos unter (05361) 281586, www.wolfsburg.de/sommerbuehne, www.facebook.com/Kulturwerk der Stadt Wolfsburg

Veranstalter: Stadt Wolfsburg - Kulturwerk, Goethestr. 48, 38440 Wolfsburg


Pressemitteilung vom 11.04.2018

Tag der offenen Tür in der Musikschule

Kita singt im Großen Saal der Musikschule

Die Musikschule der Stadt Wolfsburg lädt am Samstag, 21.04.2018 von 15:00 – 17:00 Uhr zum ersten Tag der offenen Tür dieses Jahres in die Goetheschule ein. Vom Baby-Musikgarten bis zum Saxophon reicht das vielfältige Angebot und wird an diesem Nachmittag von den qualifizierten Lehrkräften der Musikschule der Stadt Wolfsburg präsentiert.
Das instrumentale und vokale Unterrichtsangebot der Musikschule umfasst nahezu alle Instrumente von der Blockflöte bis zum Kontrabass. Der Tag der offenen Tür spricht alle Altersgruppen an und die Lehrkräfte stehen beratend zur Seite. Aktuell gibt einige freie Unterrichtsplätze in den Fächern Saxophon, Klarinette und Gitarre, alle Instrumente können sofort ausprobiert werden.
Ab 14:15 Uhr treffen sich die beteiligten Kindertagesstätten im Großen Saal für eine erste gemeinsame Probe für das Projekt "Kita singt", das von Katrin Heidenreich geleitet und von Karin Böhles, Jenny Spruta und Carmen Maaß in aktuell 26 Wolfsburger Kindertagesstätten mit über 500 teilnehmenden Kindern durchgeführt wird. Das gemeinsame Singen in der großen Gruppe und mit einer echten (Lehrer-) Band wird sicherlich ein Erlebnis für alle teilnehmenden Kinder und ihre Erzieherinnen und die Eltern sein.
Der Verein der Freunde und Förderer der Musikschule stellt sich vor und sorgt in einer Cafeteria für das leibliche Wohl der Besucher.
Angesichts der knappen Parkplätze an der Musikschule wird dringend empfohlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren oder Parkmöglichkeiten in der Umgebung der Goetheschule zu suchen. 

Der Eintritt ist frei.


Pressemitteilung vom 30.01.2018

Preisträgerkonzert des Regionalwettbewerbes "Jugend Musiziert" der Region Wolfsburg-Gifhorn-Helmstedt

Zum diesjährigen Preisträgerkonzert des 55. Wettbewerbes Jugend Musiziert der Region Wolfsburg-Gifhorn-Helmstedt lädt am Sonntag, 11. Februar, die Musikschule der Stadt um 11.15 Uhr in den Gartensaal des Wolfsburger Schlosses ein. Der Wettbewerb hat in diesem Jahr bereits am Sonntag, 28. Januar, in den Räumen der Musikschule der Stadt Wolfsburg stattgefunden. Rund 70 Teilnehmende aus der Region haben sich dort in den Solo-Wertungsgruppen Blas- und Zupfinstrumente und in den Ensemblewertungen Klavier vierhändig und Klavier mit Streichinstrument den Jurys gestellt.

Die jungen Musiker haben sich intensiv vorbereitet und zusammen mit ihren Lehrkräften ein anspruchsvolles Wettbewerbsprogramm erarbeitet. Holger Lustermann, stellvertretender Schulleiter der Kreismusikschule Helmstedt und Vorsitzender des Regionalausschusses, hat zusammen mit dem Regionalteam und Ulf Klebig von der Musikschule der Stadt den Wettbewerb vorbereitet. Er betont ausdrücklich den positiven Leistungsanreiz des bundesweiten Wettbewerbes für hervorragende musikalische Leistungen der zunehmend jüngeren Teilnehmenden. Die Preisträger des Regionalwettbewerbes werden ihr Können in einem abwechslungsreichen Konzert der Öffentlichkeit präsentieren und fiebern schon der weiteren Teilnahme am Landeswettbewerb vom 7. bis 11. März in Oldenburg entgegen.

Wilfried Andacht, Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt, wird dem begabten musikalischen Nachwuchs in seinem Grußwort gratulieren und die Urkunden überreichen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.


Pressemitteilung vom 04.01.2018

Ein Denkmal im Dornröschenschlaf

Archivalie des Monats, Ausgabe 12/2017 

Steinerne Denkmäler, so hat es die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann in ihrem Band über die Formen des Vergessens auf den Punkt gebracht, sind "hoch sensible Objekte".1 Möge auch Robert Musil in einem 1936 publizierten bissigen Essay konstatiert haben, das "Auffallendste" an ihnen sei, dass sie in einem zunehmend beschleunigten urbanen Raum schlichtweg "nicht bemerkt" werden, wie als seien sie "durch irgend etwas gegen Aufmerksamkeit imprägniert",2 so verweist Assmann auf eine Leerstelle in Musils Überlegungen: "Musil blendet in seiner Reflexion über Denkmäler die Dimension des kulturellen, politischen und sozialen ‚Handelns an Denkmälern‘ vollständig aus. Denkmäler sind aber komplexere Gebilde, deren Wirkung über ihre materielle Gestalt hinausgeht."3 Das 1947 durch die sowjetische Militäradministration errichtete Denkmal zu Ehren der verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen auf der heutigen Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der Nordstadt Wolfsburgs ist ein sprechendes Beispiel für ihre Argumentation. Denn auch wenn das steinerne Monument immer wieder, wie es in den Akten an verschiedenen Stellen heißt, ein "Dornröschen-Dasein" fristete, sind für es verschiedene Praktiken des ‚Handelns an Denkmälern‘ dokumentiert – so auch in der Archivalie des Monats Dezember.
In einem Schreiben des Oberstadtdirektors Dr. Wolfgang Hesse vom 20. Mai 1957 an den Regierungspräsidenten in Lüneburg, Dr. Krause, thematisiert Hesse einen denkbaren lokalen "Skandalfall", der wenn irgend möglich vermieden werden solle. Ein Bürger der Stadt sei mit dem Hinweis an die Wolfsburger Polizei herangetreten, die auf besagtem Denkmal befindliche Gedenktafel könnte "eines Tages […] bekannt [werden] und möglicherweise zu einer Unruhe in der Bevölkerung" führen. Stein des Anstoßes war die erste Zeile der Inschrift, die nachfolgend in der damaligen Übersetzung zitiert wird: "Ewiges Andenken den zu Tode gequälten sowjetischen Bürgern in der Gefangenschaft des deutschen Faschismus. Die Heimat vergißt Euch tapferen Kämpfer der Roten Armee 1941–1945 nicht." In seinem Brief verwies der Oberstadtdirektor sodann auf einen Vorfall im nahegelegenen Salzgitter-Lebenstedt, der konkreten Anlass zur Sorge gebe. Dort wurde in der Nacht vom 19. auf 20. April 1957 und damit am Jahrestag von Adolf Hitlers Geburtstag, neben einem den jüdischen Opfern der NS-Diktatur gewidmeten Mahnmal auch jüdische Grabmale und ein Kreuz geschändet, das an ermordete französische KZ-Häftlinge erinnerte – die Täter konnten erst im Laufe des Jahres 1961 ermittelt werden.4 Diese für die frühe Bundesrepublik keineswegs exzeptionelle Tat vor Augen, imaginierte Hesse die oben genannten möglichen Folgen. Schon Stadtdirektor Dr. Kutsche hatte wenige Tage zuvor in einem Vermerk an Hesse die Gefahr heraufbeschworen, "daß auch einmal der russische Friedhof geschändet werden könne". Für Wolfsburg stand dabei einiges auf dem Spiel, so Hesse in seinem Brief an den Regierungspräsidenten, sei die Stadt doch "schon einmal national-extremer Strömungen verdächtigt" worden.
Zweifelsohne erinnert Hesse hier unter anderem an die DRP-Wahl von 1948, als die rechtsextreme Partei weit über sechzig Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte. Entsprechend merkwürdig nimmt sich die Formulierung Hesses aus, gab es doch ganz offenbar gute Gründe für jene Verdachtsmomente.
Doch Hesse wandte sich nicht lediglich mit Bedenken an den Lüneburger Regierungspräsidenten, sondern hatte sogleich auch einen Lösungsvorschlag parat, der offenbart, wie in den 1950erJahren auf höchster städtischer Verwaltungsebene mit den steinernen Zeugnissen der NS-Vergangenheit und der unmittelbaren Nachkriegszeit umgegangen wurde. Die Zeilen lesen sich aus heutiger Perspektive derart befremdlich, dass sie nachfolgend ausführlich zitiert werden: "Mein Vorschlag wäre, die Gedenktafel, dessen Text wir bisher tatsächlich nicht kannten, lautlos und fachgerecht entfernen zu lassen und die Tafel dann sachgerecht im Depot der Stadt zu lagern. Über das Auswärtige Amt könnte gegebenenfalls die Russische Botschaft verständigt werden. Nur dadurch glaube ich, daß jeder Skandalfall vermieden werden kann." Die im internen Verwaltungsschriftverkehr kommunizierte Mahnung, den Vorgang streng vertraulich zu behandeln, setzte sich hier ganz offenbar fort. Heimlich, still und leise sollte wegen einer vermeintlich beleidigenden Inschrift, die letztlich lediglich eindeutig benannte, was sich in der "Stadt des KdF-Wagens" ereignet hatte, in das bestehende Denkmal eingegriffen werden. Von einem Unrechtsempfinden keine Spur – im Übrigen auch auf Seiten der Regierung in Lüneburg, wie einem Vermerk Hesses über ein fernmündliches Gespräch mit Vizepräsident Dr. Kaestner vom 23. Mai 1957 zu entnehmen ist. Dieser habe vorgeschlagen, das "Problem in der untersten Ebene" auszuräumen, "notfalls durch eine ‚Reparatur‘ der Tafel", was Hesse wiederum nicht praktikabel erschien. Im Verlauf des Gesprächs gewann Hesse sodann den Eindruck, "daß Dr. Kaestner auch mit der Beibehaltung des jetzigen Zustandes einverstanden sei und das Risiko in Kauf nehme". Von einer dunklen Vorahnung getrieben mahnte Hesse schließlich noch an, das Denkmal zeitnah in seinem gegenwärtigen Zustand fotografisch dokumentieren zu lassen. Eben diese Aufnahmen eines nicht zu ermittelnden Fotografen finden sich im Bestand des Stadtarchivs.
Wenn auch der damals angedachte Eingriff in das Denkmal nicht erfolgte, so dokumentieren der überlieferte Schriftverkehr, die Vermerke und die Fotografien verschiedene der von Aleida Assmann benannten Dimensionen "des kulturellen, politischen und sozialen ‚Handelns an Denkmälern‘". Sie zeigen auf, welch Wirkmächtigkeit ein Denkmal zu entfalten wusste, das in den 1950er Jahren in der städtischen Öffentlichkeit Wolfsburgs weitestgehend unbeachtet blieb und für das im Sprachgebrauch noch immer die auf die NS-Zeit zurückgehende diskriminierende Bezeichnung "Russenfriedhof" genutzt wurde.


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