Stadt stellt zweiten Wolfsburger Bildungsbericht vor

Ergebnisse bestätigen eingeschlagenen Weg und benennen Herausforderungen

Bildungsbericht 2014Die Stadt hat heute ihren zweiten Bildungsbericht veröffentlicht. Darin werden die Daten des ersten Bildungsberichtes 2011 zu den Bereichen frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung, allgemeinbildende Schule sowie berufliche Bildung fortgeschrieben und teilweise erweitert. Die Bereiche Hochschulbildung und Weiterbildung sowie non-formale und informelle Bildung sind hinzugekommen, inklusive Bildung ist das übergreifende Schwerpunktthema.

Der zweite Bildungsbericht wurde wie der erste von Prof. Dr. Hans Döbert aus Berlin im Auftrag des Bildungsbüros der Stadt erstellt. Er basiert auf gesicherten Daten, die in einer Zeitreihe Entwicklungen verlässlich abbilden. Für das noch junge Thema Inklusion wurden erste Daten durch eine Befragung der Leiterinnen und Leiter von Kindertageseinrichtungen und allgemeinbildenden Schulen ermittelt. Zusammen mit Stadträtin Iris Bothe stellte Prof. Dr. Döbert die Ergebnisse und Empfehlungen des zweiten Bildungsberichtes Vertretern von Kitas und Schulen sowie weiteren Akteuren der Wolfsburger Bildungslandschaft vor.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse des Bildungsberichtes 2014, dass die Stadt bereits auf einem guten Weg ist, die Bildungsentwicklung durch gezielte  Schwerpunktsetzungen positiv zu gestalten.

Stadträtin Iris Bothe hebt die Handlungsfelder hervor, die für eine gelingende Bildungsbiografie vieler Kinder und Jugendlicher intensiv begleitet werden müssen: „Der zweite Bildungsbericht zeigt, dass wir in der Wolfsburger Bildungslandschaft auf einem sehr guten Weg sind. Zugleich zeigen uns die Handlungsempfehlungen, worauf wir in Zukunft noch stärker achten sollten: Sie bestätigen zum Beispiel unsere Schwerpunktsetzung auf den Ausbau der Sprachbildung. Hier haben wir kürzlich eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land geschlossen und werden Wolfsburg zu einem Modellstandort entwickeln. Mit der Landesschulbehörde sprechen wir schon darüber, was die Gründe für die relativ hohe Wiederholerquote in unseren Schulen sind. Für das Thema Inklusion haben wir mit dem eigenen Schwerpunktkapitel im zweiten Bildungsbericht eine gute Orientierung für unsere laufenden Aktivitäten. Hier geben uns die Fachleute Hinweise zu Raum- und Qualitätsanforderungen, die einer Weiterentwicklung bedürfen.“

Prof. Dr. Hans Döbert empfiehlt folgende Schritte, um die Stärken von Bildung in der Stadt dauerhaft zu sichern und um den im Bericht aufgezeigten Herausforderungen wirksam begegnen zu können: „Die Sprachkompetenz der Kinder im frühkindlichen Bereich sollte zielgerichtet verbessert und die inklusive Bildung schrittweise eingeführt werden. Wir müssen dem Bildungserfolg aller Schülerinnen und Schüler mehr Aufmerksamkeit schenken – etwa durch eine bessere Förderung und indem Sitzenbleiben vermieden wird. Außerdem sind Ungleichheiten, insbesondere soziale und zuwanderungsbedingte Formen, konsequent abzubauen. Darüber hinaus muss Bildung und Lernen als ein lebenslanger Anspruch begriffen und umgesetzt werden – ohne die Lernorte voneinander zu trennen, was bisher meistens der Fall ist.“

Die wesentlichen Ergebnisse im Überblick

In Wolfsburg gibt es durch den quantitativen Ausbau des frühkindlichen Bereichs eine weitgehend gesicherte Versorgung mit Plätzen in Krippen und Kindergärten bzw. der öffentlich geförderten Tagespflege. Die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen von 2013 zeigen, dass bei einem relativ großen Anteil von Kindern Sprachprobleme bestanden. Bei fast einem Viertel aller in der Einschulungsuntersuchung erfassten Kinder wurde erheblicher Sprachförderbedarf diagnostiziert. Der festgestellte Sprachförderbedarf ist vor allem ein Problem von Jungen, deren Anteil fast doppelt so groß ist wie bei den Mädchen. Auch Kinder mit Zuwanderungsgeschichte haben einen größeren Sprachförderbedarf als Kinder ohne Zuwanderungsgeschichte, allerdings sind die Unterschiede nicht so gravierend wie zwischen Jungen und Mädchen.

Der Anteil der fristgerecht eingeschulten Kinder beträgt in Wolfsburg seit Jahren 95%. Geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bei den fristgerecht eingeschulten Kindern zeigen sich kaum noch.

Die Analyse der Übergänge zwischen den Bildungsbereichen in Wolfsburg zeigt sehr hohe Erfolgsquoten: Beim Übergang in den Sekundarbereich I in Wolfsburg zeigt sich eindeutig der Trend zu höher qualifizierenden Schularten. So haben im Schuljahr 2013/2014 fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler das Gymnasium gewählt. Der Anteil der Übergänge auf die Integrierte Gesamtschule ist gestiegen. 

Dementsprechend sind mit Anteilen von je 40% die allgemeine Hochschulreife und der Mittlere Abschluss die am häufigsten erworbenen Schulabschlüsse in Wolfsburg. Der Hauptschulabschluss hat mit einem Anteil von unter 10% weiter an Bedeutung verloren. Hervorzuheben ist auch der geringe Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. Er ist in Wolfsburg seit Jahren geringer als im Landesdurchschnitt.

Allerdings muss festgestellt werden, dass bei Schülern mit Zuwanderungsgeschichte vor allem der Mittlere Abschluss und der Hauptschulabschluss dominieren, während Schüler ohne Zuwanderungsgeschichte vor allem die allgemeine Hochschulreife und den Mittleren Abschluss erwerben.

Die Ausbildungssituation hat sich in Wolfsburg in den letzten fünf Jahren verbessert. Dies macht sich in erster Linie an einem verbesserten Angebots-Nachfrage-Verhältnis an betrieblichen Ausbildungsplätzen, im gestiegenen Anteil der Schülerinnen und Schüler an den Teilzeitberufsschulen sowie an einem Rückgang von Jugendlichen im sogenannten Übergangssystem bemerkbar. Im dualen Bereich konnten sich die Ausbildungszahlen wieder stabilisieren. Die Zahl der Neuzugänge in Bildungsangebote im beruflichen Bereich, die zu einer Hochschulzugangsberechtigung führen, wächst zudem kontinuierlich.

Wolfsburg verfügt über eine große Träger- und Angebotsbreite bei der non-formalen Bildung und dem informellen Lernen. Sie alle bieten insbesondere Kindern und Jugendlichen vielfältige Zugangsmöglichkeiten zu Kunst, Kultur, Sport und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ergebnisse einer Jugendbefragung von 2013 zeigen, dass die Befragten die Freizeitangebote in der Stadt insgesamt positiv bewerten.

Die online-Befragung bei Leiterinnen und Leitern von Kindertageseinrichtungen und Schulen zu den personellen, räumlichen und sächlichen Rahmenbedingungen für integrative Bildung in den Kindertagesstätten und für inklusive Bildung in den Schulen zeigt, dass das Ziel einer inklusiven Bildungslandschaft in Wolfsburg nur erreicht werden kann, wenn die dafür erforderliche Qualifikation der Lehrkräfte sowie die notwendigen räumlichen und sächlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Auch wenn es sich selbstverständlich um einen längerfristigen Prozess handelt, zeigen sich nach Meinung der befragten Kita-Leiterinnen und Leiter sowie der Schulleiterinnen und Schulleiter aktuelle Handlungsbedarfe.