Wolfsburger Frauenverbände zu den sexualisierten Angriffen gegen Frauen

Wolfsburger Frauen und Frauenverbände zutiefst empört über das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Frauen

Die gezielten Übergriffe in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten zeigen eine – für Deutschland – neue Dimension der sexualisierten Gewalt gegen Frauen auf. Banden nutzen systematisch sexualisierte Gewalt für sich. Eine Entwicklung, die auch viele Menschen in Wolfsburg zutiefst erschüttert. Die provokative Beschneidung der Grundrechte der Frauen, die mit diesen Übergriffen demonstriert wurde, ist nicht tolerierbar und darf sich in Deutschland nicht wiederholen. Und dabei darf es kein Verbot geben, die Herkunft von Tätern zu benennen, allerdings darf diese auch nicht ausschließlich in den Focus der Betrachtung rücken.

Zunächst waren es nur wenige Frauen, die sich getraut haben, die Übergriffe anzuzeigen. Viele andere haben zunächst aus Scham geschwiegen oder weil sie bereits die Erfahrung machen mussten, dass es meistens keine Konsequenzen für die Täter hat, wenn sexuelle Übergriffe angezeigt werden. Tatsächlich wissen wir aber nicht, wie viele noch keine Anzeige erstattet haben, weil sie noch immer Angst haben, selbst in Frage gestellt zu werden. Noch immer müssen sich Betroffene viel zu häufig fragen lassen: „Bist du sicher, dass das tatsächlich so passiert ist? Ist die Berührung nicht vielleicht doch zufällig gewesen. Das  hast du dir doch bestimmt eingebildet?“  

Dieses Beschwichtigen der Frauen und das Abwiegeln und Kleinmachen des sexuellen Übergriffs ist aus unserer Sicht symptomatisch für den Umgang mit sexueller Gewalt in unserer Gesellschaft. Wir fordern: Das muss sich ändern! Wir müssen endlich dem Einsatz von sexueller Gewalt als Mittel der Demonstration von Macht und Überlegenheit Einhalt gebieten. 

Und wie lange hat es gedauert, bis alle Beteiligten, auch die Behörden bez. die Polizei,  wirklich von sexueller Gewalt gesprochen haben? 
Da ging es anfangs eben nicht darum, dass die Taten mit unseren Grundrechten auf körperliche und seelische Unversehrtheit und dem Recht auf Freiheit und Selbstbestimmtheit unvereinbar sind. Bis die sexuellen Übergriffe und nicht mehr die Diebstähle im Vordergrund standen, hat es mehrere Tage, viele mutige Frauen und  scheinbar die Schallgrenze von über 100 Strafanzeigen gebraucht. Dieses behördliche Verhalten signalisiert, welchen Wert die Würde von Frauen in unserer Gesellschaft tatsächlich hat!

Es ist daher an der Zeit, endlich gesamtgesellschaftlich entschieden dagegen vorzugehen und jede Form von sexuellen Übergriffen als ein Verstoß gegen die Menschenwürde zu ächten. 

Daher fordern die Wolfsburger Frauen und Frauenverbände:

  • Alle Täter müssen ohne Berücksichtigung ihrer Nationalität oder Herkunft, der sozialen Schicht oder dem Geschlecht verfolgt und bestraft werden.

  • Es ist endlich an der Zeit, das Strafrecht zu verändern: noch immer ist eine sexualisierte Belästigung durch Wort oder Tat bei uns keine eigenständige Straftat. Wir fordern, dass Vergewaltigung generell strafrechtlich belangt wird, ohne dass die betroffene Person nachweisen muss, dass sie sich „ausreichend“ zur Wehr gesetzt hat. 

  • ................... Menschenrechtsverletzungen müssen angemessen bestraft werden.

  • Damit für alle und überall ausreichend Beratungs- und Therapieangebote zur Verfügung stehen, muss der Ausbau der Beratungsstellen flächendeckend weiter vorangetrieben werden. 

  • Damit es überhaupt zur Strafverfolgung kommt und in den dazugehörenden Verfahren sensibel und respektvoll mit den Betroffenen umgegangen wird, müssen Polizei und Justiz und andere Beteiligte in diesem Bereich besonders geschult werden. 

  • Wir müssen gesamtgesellschaftlich gegen sexualisierte Gewalt eintreten, und den Betroffenen signalisieren, dass wir sie ernst nehmen. Wir müssen den Betroffenen unsere Solidarität zeigen und ihnen damit Mut machen, alle sexuellen Übergriffe, anzuzeigen.  

Wir stehen für eine Gesellschaft ein, die von gegenseitigem Respekt und der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens geprägt ist. Grundlage für das von Freiheit und Toleranz geprägte Zusammenleben ist unser Grundgesetz. Dieses ist von allen in Deutschland lebenden Menschen zu achten und zu akzeptieren. 

Dialog e.V. - Frauenzimmer Wolfsburg  -  Wolfsburger Frauenhaus  – Wolfsburger Frauentisch – Gleichstellungsbeauftragte Stadt Wolfsburg

Beitrag kommentieren

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Erforderliche Felder sind markiert *
Zu den Nutzungsbedingungen von wolfsburg.de

ABSCHICKEN

VIELEN DANK Ihr Kommentar ist bei uns eingegangen. Dieser wird nun redaktionell geprüft und anschließend veröffentlicht. OK

Hinweis Beim Absenden ihres Kommentars ist leider ein Fehler aufgetreten. Bitte kontaktieren Sie uns stattdessen über das Kontaktformular. OK