Städtebaulicher Ideenwettbewerb "Südliche Dessauer Straße"

Der Städtebauliche Ideenwettbewerb für die südliche Dessauer Straße ist abgeschlossen, die weiteren Schritte befinden sich in Vorbereitung.

Nach dem Abriss der Hochhäuser Dessauer Straße 14-34 wird im Süden der Dessauer Straße ein insgesamt circa fünf Hektar großes Areal für eine Bebauung zur Verfügung stehen. Um für diesen Planungsumgriff ein sinnvolles städtebauliches Konzept zu ermitteln, hat im Winter und Frühjahr 2017 ein Städtebaulicher Ideenwettbewerb stattgefunden, der vom Kasseler Stadtplanungsbüro ANP moderiert worden ist.
  • Der Wettbewerb ist als Nichtoffener Ideenwettbewerb mit hochbaulichem Vertiefungsteil und vorgeschaltetem Teilnehmerverfahren nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe 213 (RPW 213) durchgeführt worden. 
  • Die Teilnahme von Bürogemeinschaften aus den Disziplinen Städtebau, Freiraumplanung und Architektur war explizit gefordert worden. 
  • Daraufhin sind acht Bewerbungen erfolgt, sieben Teilnehmer haben am Wettbewerb teilgenommen. 
  • Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 60.000 Euro ist in 28.000 Euro Bearbeitungshonorare für alle sieben Teilnehmer und in Honorierungen über insgesamt 32.000 Euro für die vier Preisträger aufgeteilt worden. 
  • Die Ausgabe der Unterlagen ist am 20.02.2017 erfolgt. Die Pläne sind zum Stichtag 19.05.2017 abgegeben worden, die obligatorischen städtebaulichen Modelle am 29.05.2017.
  • Das Preisgericht hat unter Vorsitz von Professor Manuel Scholl (in Wolfsburg bekannt als Vorsitzender des hiesigen Gestaltungsbeirates) am 18. und 19.06.2017 getagt. Zuvor waren die Teilnehmerbeiträge vom 16. bis zum 18.06. unter strikter Wahrung der Anonymität der Beiträge im Bürgersaal Westhagen ausgestellt worden. 
  • Die Kosten des Wettbewerbs in Höhe von circa 200.000 Euro werden im Rahmen des "Soziale Stadt"-Programms zu 66% mit Städtebaufördermitteln des Bundes und des Landes unterlegt. 
Mit dem Wettbewerbsbeitrag der Teilnehmergemeinschaft Vogt Landschaftsarchitekten, Berlin, mit Hosoya Schaefer Architects, CH-Zürich, hat sich ein Entwurf durchgesetzt, der die für Westhagen typischen Bebauungsformen aufgreift. Sie werden in moderater Form fortentwickelt und zugleich spannungsreicher als bisher im Raum platziert, zum Teil mit gekurvten Gebäudeformen. 

Lageplan südliche Dessauer Straße  Modell südliche Dessauer Straße

Siegerentwurf, Lageplan und Modellfoto (Quelle: Vogt Landschaftsarchitekten)


Die Jury hat den Gewinnerentwurf wie folgt gewürdigt: 

„Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gesamtstadtteil und den übergeordneten räumlichen und funktionalen Zusammenhängen mündet mit einer sauberen städtebaulichen Herleitung in einem tragfähigen städtebaulichen Projekt. Dieses zeigt mehrere interessante Elemente - hervorzuheben sind der wohlproportionierte Übergang vom Marktplatz zur Ost-West-Achse und zur Dessauer Straße, die klare Definition der stadträumlichen Kanten und insbesondere die mäandrierende Ostflanke der Bebauung mit angemessenem Abstand zur Frankfurter Straße, sowie die Kontinuität und Qualität der Freiräume und Wege.

Eine gewisse Schwäche stellen die L- und U-förmigen Übergangstypologien dar, deren Typologie und Räumlichkeit nicht gänzlich schlüssig ist. Die überhöhten "Türme" zur Eckenausbildung können so nicht überzeugen. Die präsentierten Wohngrundrisse sind jedoch gut durchgearbeitet und lassen eine hohe Wohnqualität erwarten.

Der städtebauliche Vorschlag wird verstärkt durch mehrere bauliche Vorschläge, die über das Planungsgebiet hinausreichen. Der weiterreichende Vorschlag, die Sporthalle zu entfernen, wird als Idee anerkannt.

Die städtebauliche Figur der Stadtachse wird dadurch klar herausgearbeitet. Ein ansprechendes Detail stellen die Gewerbehöfe dar, die flexibel nutzbar sind und abschnittsweise umgesetzt werden können.

Bei der Fügung von Neubauten und Altbauten wird der Baubestand intelligent genutzt. Er bildet den Rahmen für die gut nutzbaren öffentlichen Freiräume.
Das Erschließungskonzept ist weitgehend plausibel, jedoch bedarf das Parkraumkonzept einer Überarbeitung.

In der Gesamtbetrachtung handelt sich um ein ausbalanciertes wirtschaftliches Konzept und um einen wertvollen Beitrag, der eine gute Neuinterpretation und Weiterentwicklung des 1970er-Jahre Städtebaus anbietet. Durch den respektvollen Umgang mit dem Baubestand schafft das Konzept, den Charakter Westhagens erkennbar zu lassen und mit qualitätsvollen neuen Räumen eine deut-liche Aufwertung der Situation zu erreichen.“

 
(Quelle: Auszug aus dem Preisgerichtsprotokoll vom 19.06.2017)


Jurysitzung Dessauer Straße  Preisverleihung Dessauer Straße
     
Jurysitzung, 19.06.2017 und Preisverleihung, 12.09.2017 
(Quelle: Geschäftsbereich Stadtplanung und Bauberatung)

Als Ergebnis eines Ideenwettbewerbs bedarf der Siegerentwurf der Überarbeitung. Sie ist erforderlich, um die im Wettbewerb aufgezeigte bauliche Dichte, das Erschließungskonzept und die Anordnung von Stellplätzen mit Blick auf die tatsächliche bauliche Umsetzung zu überprüfen und gegebenenfalls zu "schärfen". Das gilt vor allem auch für die im Bereich des Einkaufszentrums angedachte Neubebauung. Die Überarbeitung wird in Form eines Workshop-Verfahrens erfolgen, an dem die siegreiche Bürogemeinschaft Vogt LA - Hosoya Schaefer teilnehmen wird. Der Workshop wird zur Zeit vorbereitet. 

An den Workshop-Baustein wird sich ein zweiter hochbaulichen Realisierungswettbewerb unter der Trägerschaft der Neuland Wohnen GmbH als künftigem Bauherrn anschließen: Im Realisierungswettbewerb werden die einzelnen Gebäude aufgrund der im ersten Wettbewerb gefundenen städtebaulichen Setzung so durchgeplant, dass der Hochbau im Anschluss an die Herstellung der Erschließungsanlagen erfolgen kann. 

Für den Bereich des Einkaufszentrums wird möglicherweise ein gesondertes Verfahren durchgeführt, um die Realisierung dieses besonders sensiblen und anspruchsvollen Teilabschnitts des Wettbewerbsgebiets sicherzustellen. 

Zeitgleich mit dem Start des Realisierungswettbewerbs wird die Stadt Wolfsburg das erforderliche Bauleitplanverfahren, bestehend aus einer Änderung des Wolfsburger Flächennutzungsplans und der parallelen Aufstellung eines Bebauungsplans, durchführen.

Mit dem Beginn der Erschließungsarbeiten im Plangebiet kann nach jetzigem Stand voraussichtlich im Jahr 2021 gerechnet werden.   

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