Schallfolie „Wir sind jung“

Ein musikalisches Werbegeschenk aus dem Kaufhaus HERTIE

Eine Schallfolie1963 │ Inventar-Nr. 004066 SMW

 

Schallfolien, auch „Flexi Discs“ genannt, waren bis in die 1980er Jahre als Werbegeschenke oder Zeitschriftenbeilagen verbreitet.

 

Sie hatten normales Single-Format, doch ihre Vinyl-Folie war so dünn und biegsam, dass nur auf einer Seite Rillen eingepresst waren. Auf diesem Exemplar besangen Hannelore Auer und Teddy Parker mit viel „Yeah, Yeah!“ im Refrain die unternehmungslustigen, reisefreudigen und mode-bewussten Jugendlichen. Am Schluss machten sie den Teens und Twens mit einer gesprochenen Werbebotschaft das Kaufhaus HERTIE als preiswerte Einkaufsquelle schmackhaft. Lag die Schallfolie erstmal auf dem Plattenteller, hatte sie sicher eine intensivere Werbewirkung als eine flüchtig überblätterte Zeitungsanzeige.

 

Die beiden Interpreten gehörten damals nicht zur ersten Garde deutscher Schlagersänger, hatten jedoch schon mehrere Singles veröffentlicht und in mehreren Musikfilmen mitgewirkt. Beide machten noch bis die frühen 2000er Jahre von sich reden: Claus Herwig alias Teddy Parker als Volksmusik-Sänger und Hannelore Auer als Ehefrau, Managerin und Moderationspartnerin von Heino („Heino und Hannelore“).

 

Die Schallfolie mit dem Titel „Wir sind jung“ gehörte als Werbemittel zur Verkaufsschau „Jugend International“, worauf auch die zahlreichen Landesflaggen auf der Hülle verwiesen. Dabei wurden 1963 in vielen HERTIE-Filialen Schallplatten, Kleidung aber auch Campingartikel auf Sonderflächen für die junge Kundschaft präsentiert. In Wolfsburg erschien sogar noch eine Ansichtskarte, die das Hertie-Kaufhaus mit einem großen „Jugend-International“-Transparent an der Fassade zeigte. Der Kaufhaus-Neubau war hier im November 1960 eröffnet worden und sorgte über viele Jahre für großstädtisches Einkaufsflair in der Volkswagenstadt. Die Schallplattenabteilung im 2. OG war eine wichtige Anlaufstelle für Musikliebhaber.

 

Das Hertie-Kaufhaus wurde im Sommer 2003 geschlossen und zu großen Teilen abgerissen. Schallplatten sind heute Nischenprodukte und Schall-folien beinahe völlig vergessen. Das im Stadtmuseum erhaltene Exemplar zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich die Medien des Musik-Konsums und die Verbreitungsformen von Werbebotschaften verändert haben.